GABO

Verbundprojekt: Grundbildung im Kontext von Arbeit und Berufsorientierung - Zugänge schaffen und Übergänge gestalten

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Vorhaben GABO ist ein Verbundprojekt mit den Universitäten Hannover und Duisburg-Essen, dessen Untersuchungsgegenstand die Grundbildung im Kontext von Arbeit und Berufsorientierung ist.

Ausgangslage

Nur wenige Jugendliche und Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen nehmen an Angeboten der Grundbildung und Alphabetisierung teil, obwohl sie nur einzelne Sätze lesen und schreiben können. Einen Ansatz, um mehr Menschen einen Zugang zu Grundbildung zu eröffnen, stellt die aufsuchende Bildungsarbeit dar. Auch Konzepte arbeitsorientierter Grundbildung nutzen teilweise solche Strategien, indem sie den Lernort in die Arbeitswelt der Menschen verlagern und darauf bezogene Lernprozesse initiieren wollen. Sie sind vielversprechend, da die nach wie vor dominanten „Komm-Strukturen“ in der Erwachsenen- und Weiterbildung insbesondere für „gering literalisierte“ Zielgruppen eine hohe Hürde darstellen können. Wer von Angeboten arbeitsorientierter Grundbildung erreicht wird und von ihnen profitiert, ist allerdings kaum bekannt. Darüber hinaus sind Jugendliche und junge Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen bislang wenig im Blick solcher Angebote, obwohl auch die Gruppe der zwischen 1993 und 2000 geborenen einen Anteil von ca. 11 Prozent mit geringer Literalität aufweist. Die Jugendlichen jungen Erwachsenen vollziehen zumeist keinen direkten Berufseinstieg und finden sich dann zunächst im „Übergangssystem“ zwischen Schule und Beruf wieder.

Zielsetzung und Forschungsfragen des Verbunds GABO

In dem qualitativ-forschenden Verbundprojekt GABO werden daher zwei arbeitsorientierte Bildungskontexte in den Blick genommen: Einerseits wird die arbeitsorientierte Grundbildung im Betrieb untersucht. Andererseits wird mit der Jugendberufshilfe und Jugendsozialarbeit ein Bereich einbezogen, der trotz hoher Relevanz bislang wenig für Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit erschlossen ist.

Befragt werden sowohl Teilnehmende und Adressat*innen beider Bildungsbereiche als auch die hier professionell Tätigen (Lehrende, Trainer*innen, Sozialarbeiter*innen usw.). Ausgehend von einem erweiterten und emanzipatorischen Verständnis von Arbeit und arbeitsorientierter Grundbildung wird erforscht, welche Bedeutung Schriftsprache und Grundbildung im (Arbeits-) Alltag für die Teilnehmenden und Adressat*innen hat, welche Lernanlässe und -motive sich vor diesem Hintergrund für sie ergeben und inwiefern sie die (Grund-) Bildungsangebote als daran anschlussfähig wahrnehmen. Auf der Ebene der Professionellen ist zentral, welche Vorstellungen von Grundbildung und Literalität diese haben und inwiefern professionelles Handeln durch bildungs- und berufsbiografische Erfahrungen mitgeprägt wird.

So lassen sich „Passungsverhältnisse“ zwischen Teilnehmenden/Adressat*innen und den professionell Tätigen/den Bildungsangeboten im Grundbildungsbereich mit dem Ziel analysieren, Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von Angeboten und Professionalisierungsstrategien abzuleiten. Dabei soll mit GABO auch die interdisziplinäre Vernetzung von Sozialer Arbeit/Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung im Bereich der Grundbildung weiter vorangetrieben werden.

Forschungsschwerpunkt und Zielsetzung des Teilprojekts Hamburg

Der Fokus des Teilprojekts Hamburg liegt auf den Teilnehmenden der Angebote im Bereich der Jugendberufshilfe. Diese befindet sich an der Schnittstelle zwischen Schule und Arbeitswelt, wo sie mit der Frage danach befasst ist, wie jungen Menschen ihr Recht auf Teilhabe gesichert werden kann, wenn der Arbeitsmarkt sie nicht aufnimmt oder sie strukturell zurückweist. Vor dem Hintergrund einer immer unterstellten Mündigkeit der Adressat*innen, egal in welcher Lebenslage oder in welchem Alter sie sich befinden, wird in Gruppendiskussionen versucht ein Verständnis der Aushandlungsprozesse und Partizipationsmöglichkeiten innerhalb Maßnahmen zu entwickeln. Ein Augenmerk liegt u.A. darauf, inwieweit normative gesellschaftliche Vorstellungen Einfluss auf die Maßnahmenteilnehmer*innen und ihre beruflichen Vorstellungen haben, aber auch wie und wo sie in ihrem Umfeld Unterstützung erfahren.

Um dies zu erforschen, kommt eine partizipative Forschungsmethode zum Einsatz, die den Subjekten ein Raum eröffnen soll, aus verschiedenen Blickwinkeln die relevanten Themen miteinander diskutieren zu können.

 

Laufzeit der Studie

01.04.2021-31.03.2024

 

Kontakt/Forschungsteam

Leibniz Universität Hannover
Projekt- und Verbundleitung: Dr. Natalie Pape
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Paula Emily Matthies, M.A.
Studentische Mitarbeiterin: Lisa Graw

 

Verbundpartner

Medical School Hamburg
Projektleitung: Prof. Dr. Wibke Riekmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Rabea Geraldine Schemann, M.A.
Studentische Mitarbeiterin: Joselle-Marie Rajab

Universität Duisburg-Essen
Projektleitung: Prof. Dr. Helmut Bremer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Songül Cora, M.A.
Studentische Mitarbeiterin: Sarah Klotz

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Praxispartner

Die Praxispartner des Projekts sind der Internationale Bund (IB) als Anbieter berufsvorbereitender und berufsbegleitender Maßnahmen im „Übergangssystem“ Schule-Beruf sowie Arbeit und Leben (AuL) als Anbieter arbeitsorientierter Grundbildung im Betrieb. Sie stellen gleichzeitig den Feldzugang für die Umsetzung des Projekts her. Durch die enge Kooperation mit den Praxispartnern wird praxisnahe und partizipative Forschung realisiert

Arbeit und Leben

https://www.basiskom.de/homepage.html

Internationaler Bund